Presse

Im Mai 2015 wurde ich von der Zeitschrift "Mein Hund und ich" für die Ausgabe Juli 2015 interviewt.

Aus diesem Interview entstand die Titelstory "Du willst mich wohl veräppeln: Intelligente Trickser".

 

Diese gibt es jetzt hier zum nachlesen!

Der Artikel:

Weitere, nicht veröffentlichte Interviewteile:

(Warum wenden Hunde Tricks an?)

 

Vortäuschen Kot zu fressen!

 

Das Frauchen von Paul hat Hilfe bei mir gesucht, da Paul seit Jahren Kot fressen will.

Paul war in seiner Jugend ein eifriger Kotfresser. Und das aus purer Langeweile. Er war unterfordert und hat sich einfach angewöhnt alles zu Futtern, was schön stinkend herum lag.

Auch wenn Paul schon lange keine Langeweile mehr hat und auch schon lange keinen Kot mehr gefressen hat, so täuscht er immer vor, den Kot fressen zu wollen. Er zieht an der Leine auf den Kot zu. Denn Paul weiß: Damit er keinen Kot frisst, bietet Frauchen ihm Leckerlies an. Und das macht sie immer zuverlässig.
Paul hat beim Ziehen zum Kot hin, jedoch schon zu Frauchen rüber geschielt, ebenfalls immer zuverlässig. Und damit er sich direkt verraten.
Sein Frauchen war zunächst entsetzt als ich ihr sagte, sie solle Paul zu den Häufchen hinlassen.
Paul hat dann ganz schön enttäuscht drein geschaut, als er zu jedem Häufchen hindurfte und davor stand…und gar nicht wusste, was er denn jetzt tun solle.
So einfach kann es manchmal sein, ein Problem zu lösen.

 

 

Tricksen beim Kommando "Aus"

Oft zeigen Hunde eine Täuschung wenn es um das Kommando „Aus“ geht. Die Hunde haben den Hausschuh und Herrchen kommt schon ins Schwitzen, weil er Angst hat, Fiffi könnte den Hausschuh zerlegen. Doch Herrchen bietet Fiffi ein Leckerli an, damit er den Schuh hergibt. Irgendwann wundert sich Herrchen, warum der Hund beginnt alles herbei zu schleppen, was nicht Niet- und Nagelfest ist.
Ich wette, sie wissen schon, warum Fiffi das tut….)

 

Der komplette Text zum orangenen Infokasten (Seite 10 unten):

"Täuschung: Angst oder Aggression?

Ein weiteres Beispiel betrifft besonders geplagte Hundebesitzer.
Es gibt Hunde, die aus purer Not heraus täuschen. Sie täuschen vor, aggressiv zu sein.
Wie kann so etwas passieren? Ich erkläre es Ihnen gerne anhand eines fiktiven Beispiels:

Der Mischlingsrüde Benni ist bei einer unbedarften Familie geboren worden. Seine ersten Lebenswochen verbrachte er wohlbehütet in einem Zimmer, dass die Familie extra hergerichtet hatte. Kontakt zu anderen Hunden und zu weiteren Umweltreizen gab es nicht oder nur in minimaler Art und Weise.

Benni wurde dann im Alter von 12 Wochen an die neuen Besitzer übergeben. Und plötzlich ist alles anders. Benni lernt nun viele neue Dinge kennen, die ihm furchtbare Angst bereiten, am schlimmsten sind jedoch die anderen Hunde. Vor denen hat er besonders Angst.

Wir lassen das Verhalten der neuen Besitzer an dieser Stelle weitestgehend außen vor, denn oftmals verstärken wir Menschen die Ängste der Hunde noch unbewusst. Auf das Thema „Wie gehe ich mit den Ängsten meines Hundes um“ einzugehen würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen.

Ohne Anleitung sind die meisten Menschen nicht in der Lage, dem neuen Familienmitglied die Ängste zu nehmen. Und so baut sich eine (leider inzwischen schon) klassische Situation auf:

Benni ist voller Angst, wenn er auf einen Artgenossen trifft. Je näher der andere Hund kommt, desto stärker wird Bennis Angst. In Benni baut sich dadurch ein immenser Stressdruck auf. Je näher der andere Hund kommt, desto mehr Druck. Benni würde am liebsten wegrennen. Aber er kann nicht. Sein Herrchen hält ihn fest an der Leine. Herrchen wundert sich, warum Benni so in der Leine hängt und nimmt die Leine noch kürzer. Zum bereits vorhandenen Stress durch den sich nähernden Hund, kommt jetzt noch Stress durch die fehlende Bewegungsfreiheit.

 

Um zu erklären, was mit Benni passiert, muss ich ein klein wenig ausholen:
Benni ist überflutet mit Stresshormonen und sein Körper schreitet jetzt ein, denn er droht durch den Stress Schaden zu nehmen. Ein sogenannter „Erregungsabwehrmechanismus“ führt zu einem „Übersprungsverhalten“.
Sie können Sich das wie eine elektrisch geladene Wolke vorstellen. Ist die Ladung zu groß, dann entlädt diese sich über einen Blitz.
Und ein Beispiel am Menschen: Sie haben sich doch bestimmt schon einmal dabei erwischt (oder andere Sie), wie Sie nervös mit dem Bein gewippt haben, an einem Kugelschreiber herumgeknipst, am Arm ewig gekratzt haben oder ähnliches.
Das Übersprungsverhalten kann alles Mögliche sein, der Körper sucht sich eine Verhaltensweise und führt diese aus. Der Hund macht diese Handlung in dieser Situation nicht bewusst, sondern wird vom Erregungsabwehrmechanismus gesteuert. Dieser stellt eine wichtige Schutzfunktion des Körpers dar. Kann der Körper den Stress nicht ableiten, so kann lang anhaltender Stress das Herz-Kreislauf, das Magen-Darm und andere Körpersysteme beschädigen.

Bei Benni ist es ungünstiger Weise der Übersprung in das Aggressionsverhalten. Sobald eine gewisse Distanz zwischen ihm und dem anderen Hund unterschritten wurde, stürzt Benni sich in die Leine, zeigt seine Zähne und pöbelt was das Zeug hält! Herrchen zieht Benni natürlich zurück (er will nicht dass sein Hund einen Schaden anrichtet) und der Hundebesitzer gegenüber zieht seinen Hund ebenfalls zurück.

Und jetzt kommt es: Diese Situation wiederholt sich einige Male. Und Benni lernt:

„Wenn ich Aggressionsverhalten zeige, dann bekomme ich Distanz zwischen mich und den anderen Hund“. Und das ist ja genau das, was Benni möchte.

„Wenn ich Aggressionsverhalten an der Leine zeige, dann bekomme ich ein Machtgefühl ohne gekämpft zu haben (gratis Adrenalin-Kick)“. Dummerweise kommt dieser Faktor noch bei vielen Hunden mit hinzu.

Benni gewinnt nun mit jeder Hundebegegnung die so abläuft mehr Selbstsicherheit. Er „ritualisiert“ sein Verhalten und nutzt dieses irgendwann gar nicht mehr wegen seiner ursächlichen Angst, sondern weil er schon weiß: Ich zeige dieses Verhalten, dann kommt der andere gar nicht erst so nah an mich heran“ und „Ich fühle mich stark, wenn ich mich so verhalte“!

Also zeigt der Hund Aggressionsverhalten, obwohl er eigentlich Angst hat. Und das ist wohl die deutlichste Täuschung und auch die, die uns Menschen am meisten zu schaffen macht.

 

Grundsätzlich gilt für alle Täuschungen: Der Hund wird so lange täuschen, wie er damit Erfolg hat.
Bei Täuschungen, die einfach raffinierte Frechheiten sind, heißt es, den Hund durchschauen und ihm zuvorkommen: Er darf damit keine wiederholten Erfolgserlebnisse bekommen.
Bei Täuschungen wie in Bennis Fall gilt es, sich professionelle Hilfe zu holen, dem Hund ein alternatives Verhalten anzubieten und die Ursache des Verhaltens aufzulösen.

 

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